SKA

Sie sind hier

OXO 86 - Rien ne va plus

Die Jungs aus dem Brandenburgischen Bernau hauen mal wieder einen raus. ’Rien ne va plus’ heißt die neue Scheibe und ist das achte Album der 5 Jungs.

Den Einstieg ins Album macht der Song ’Rien ne va plus’, nichts geht mehr in Sachen Liebe, wenn alles gesagt ist, ist alles gesagt. Aus und vorbei.
Der Endzeitfaktor wird auf ’Rien ne va plus’ groß geschrieben, sei es das Ende von Liebesbeziehungen und Freundschaften oder eben der Anfang vom Ende.

Neben ernsten und nachdenklich stimmenden Texten, kommt der Spaßfaktor natürlich nicht zu kurz. So gibt es eine grandiose Würdigung des Spätverkaufs und der Szenerie die sich nachts nach dem Tanzen in ihm abspielt. Ebenso kommt das Trinken nicht zu kurz und so sucht der Mensch sein Frieden in einem guten Glas Whisky oder Bier. Das kann man zwar nicht streicheln, wie im Song ’Schade’ besungen, hin und wieder streichelt es jedoch die Seele…

Das OXO auch sozialkritisch können geben sie in ’Unsere Stadt’ zum besten und kritisieren die Gentrifizierung und Verdrängung. Im Song ’Auf gehts’ geht es um Zweifel und verlorenen Glauben, um Reflexion und das Bestehen im Alltag in dem Faschisten hofiert werden und mit der deutlichen Ansage das nur wir selber das ändern können.

Musikalisch gibt es den bekannten OXO Sound mit der treibenden und kraftvoll gespielten Trompete und der alt begannten Ohrwurmgarantie. Ich denke bei den Jungs von OXO geht noch eine ganze Menge und sie werden uns noch eine ganze Zeit mit ihrem Ska Punk beglücken.

Buch: Ska im Transit

Pünktlich zum „This is Ska“ Festival 2018 in Roslau erscheint mit „Ska im Transit“, das bislang einzige Buch über die Entstehung des Ska in Ost- und West-Deutschland. Dabei kommen diverse Macher und eine Macherin zu Wort und beantworten Fragen zum eigenen Erstkontakt mit Ska, einer eigenen Theorie wie der Ska nach Deutschland gekommen ist, welche Infrastrukur sie genutzt oder gestaltet haben, welche Unterschiede man in der Situation vor und nach der Wende sieht und welche Festivals für wichtig empfunden wurden.

Am Interessantesten war für mich die Frage nach dem ersten Ost/West Kontakt und wie man die Zukunft des Ska in Deutschland einschätzt. Zum Grübeln bin ich gleich bei der ersten Frage zum ersten Kontakt mit Ska gekommen und hab selber überlegt, wie das mal bei mir anfing. Am Anfang, das muss so Ende 2002 gewesen sein, war es eine gebrannte CD, da war so Punk Zeugs drauf. Die hat mein Bruder damals zusammen gestellt und bei mir ins Autoradio eingelegt. Der letzte Song auf der Scheibe war „Viva la Ska Revolution“ von den Bad Manners und damit war ich infiziert. Meine ersten Ska CD‘s waren die „Skandal No.2“ und „Porno‘75“ von Skaos. Die leg ich heute hin und wieder noch auf. Schnell kamen Sachen von Mr Review, The Hotknives oder auch Tiefenrausch dazu. Spannend fand und finde ich auch die Italienische und Französische Szene. Geprägt haben mich hier u.a. Banda Bassotti, Los Fastidios und La Ruda Slaska. Meine ersten Ska Konzerte waren Ska-T im Potsdamer Archiv und The Ruffians auf dem Rock in Captuh bei Potsdam, das war im Mai 2003. Ich bin im Vergleich zu den im Buch gefragten doch recht spät eingestiegen, ich bin jedoch auch erst Anfang der 80‘er geboren worden.
Später haben wir einige Ska Bands in die „Garage“ nach Frankfurt (Oder) geholt, Oxo 86 unter anderem.

Die Frage nach der Zukunft des Ska in Deutschland dürfte auch den ein oder anderen um treiben. Die Macher der Ersten Gehversuche des Ska in Deutschland sind natürlich in die Jahre gekommen und älter geworden, durchaus. Altbacken sind davon die wenigsten geworden und ein Großteil der interviewten ist heute noch aktiv und nach eigenem Befinden noch nicht müde. Die Frage wie wird das Erbe hier Vorort weiter getragen stellt sich mit Berechtigung und es gibt auch Antworten darauf. Ich denke da jetzt mal z.B. an den Sängerwechsel bei The Busters. Die Verjüngungen von bestehenden Bands kann ein Weg sein. Mit Neugründungen sieht es hier im Lande tatsächlich etwas mau aus, gibt es aber hin und wieder. „Wodka Trawolta“ aus dem Ruhrpott fallen mir da ein.
Ein Grund kann sein, dass es am Genre liegt, Ska ist halt etwas komplexer zu besetzten als eine einfache Punkband. Vielleicht sollte man die Frage aber auch international oder zumindest europäisch Stellen und da mal einen Blick in die Nachbarländer werfen. Da gibt es im Süden dann doch experimentierfreudige Ansätze, wenn ich da an Red Ska und Skassapunka aus Italien denke. Vieleicht kommt aber auch ein neuer Schub, neue Inspiration aus dem Land in dem alles begann, dass wird sich zeigen. Ich teile auf jeden Fall, die im Buch mehrfach geäußerte die Auffassung, dass der Ska nicht sterben wird sowie, dass der Ska nie wirklich kommerziell wird.

Das Buch liefert mit 26 Interviews, ganz vielen tollen Fotos aus diversen Archiven und fast allen Szenegrößen einen verdammt guten Einblick in das Deutsche Ska geschehen und seine entwicklung von den 80‘gern bis heute. Eine Leseempfehlung für alle alten Skanker aber auch für die neuere Generation.

Enraged Minority - A world to win

Auf der Suche nach einer solidarische Perspektive, dürfte einmal mehr das Motto der Jungs aus Freiburg gewesen sein. Und so beglücken sie uns mit gewohnt feinem Antifa-Streetpunk mit ihrem dritten Album. Als Gastsängerin hat man sich Maggie ins Studio geholt, welche mit Chumbawamba-Style die Stücke „go down swinging“ und „one man army“ gesanglich unterstützt.

Mit „A world to win“ untersetzen Enrage Minority einmal mehr ihren Anspruch eine antifaschistische Streetpunkband zu sein sehr deutlich, in dem sie kraftvolle Statements gegen Faschismus und Rassismus in und mit ihren Liedern setzten. Das ganze weiß mich einmal mehr sehr zu überzeugen. Was die Jungs aus dem Breisgau da machen ist ziemlich großartig und erinnert mich immer mal wieder an „No Respect“ aus Göttingen. Ihren eigenen Antifaschtischen-Linkspolitischen Anspruch untersetzten sie am Ende der Platte mit der Interpretation des "Einheitsfrontlied" von Ernst Busch und geben so eine links solidarische Perspektive in einer Zeit die durch die Diskussionen um Polzeiaufgabengesetzte, sogenannte Ankerzentren für Geflüchtete und einen völlig außer Rand und Band geratenen #HeimatHorst geprägt ist.